Noch im Bett liegend habe ich den Abschnitt über Narzißmus in „Das andere Geschlecht“ gelesen. Und habe mich in vielen Abschnitten wiedergefunden. Es ist aber auch eine Schweinerei, Abhandlungen über „die Frau“ zu schreiben, wie man Horoskope schreibt: So, dass immer etwas auf jeden passt. Und dann keine Alternativen zu unterbreiten. Außerdem dieser völlige Abgesang auf Selbstliebe – wo kämen wir da denn hin? Gut, sich selbst als Objekt zu lieben, das verspricht wohl wenig Heiterkeit (oder – viel Heiterkeit, wenig Produktivität – wer will denn schon immer produktiv sein?), aber sich selbst als Subjekt zu lieben, was das einzige ist, was ich mir als positive Forderung de Beauvoirs vorstellen kann, das stelle ich mir auch schwierig, zumindest nicht unproblematisch, vor.

Ich habe merkwürdig geträumt. In unserer alten Straße ist Gott suchend auf und ab gegangen. Gott war ein großer, schlanker Mann mit Schulter-langem grauen Haar und gut gekleidet war er. Jedenfall trafen wir uns auf halber Höher zwischen Kreuzung und Kiosk, und er hatte nach mir gesucht. Wir sind zusammen in eine sehr kleine, sehr niedrige Wohnung gegangen und er hat mich zu Bett gebracht. In ein kleines, rot angestrichenes Etagenbett, das so klein war, dass ich meine Beine eng an meinen Körper ziehen musste, um Platz darin zu haben, und so niedrig war, dass Gott stehend mit seinem Oberkörper bis zu mir hoch reichte und mir Geschichten erzählen konnte. Es war übrigens so, dass ich Gott lange nicht mehr gesehen hatte, da er die Familie verlassen hatte, als ich noch sehr klein war. Das alles erzählte er nicht, aber es war von vorneherein klar. Bei Gott habe ich mich zwar sehr wohl gefühlt, aber seine pathetische Selbstliebe störte mich, wie er von sich in der dritten Person sprach, und von mir erwartete, mich in diesem kleinen Haus geborgen zu fühlen, bloß weil er es für mich gebaut hatte. Alles in allem war Gott ein sehr weltlicher und attraktiver Mann, und das hätte mich doch misstrauisch machen müssen.

Ein Gedanke zu „Illusio

  1. nur zur klarstellung –
    ich als vater, also nicht als -gott-vater- sondern nur „als vater“, habe nie die familie verlassen. meinen bemuehungen meine früh gealterte tochter immerfort zu bett zu bringen, hat diese frauhaft widerstanden.
    Aber, auch das muss ich gestehen, ich war nie schlank, langhaarig – und habe die letzten zwanzigjahre meine kleidung sträflich vernachlaessigt.
    DerVater

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