Wenn ich morgens aufwache, zirpen die Grillen, wenn ich abends in’s Bett gehe, zirpen die Grillen. Daran kann ich mich gewöhnen. Seit ich Samstag Nacht Yoga gemacht habe, bin ich ein neuer Mensch. Erleuchtet. Sozusagen. Den ganzen Sonntag bin ich durch die Shibuya gelaufen und war glücklich. Das hat angehalten.

Gestern habe ich dann zum ersten Mal den Abzugshahn einer japanischen Toilette gefunden, das war was. Naturgeräusche und Bidet sind am Start, die Spülung jedoch ist am Spülkasten angebracht. (Da muss erstmal einer drauf kommen) Man könnte meinen, eine der Tasten dient zum Abschluss des Toilettengangs, doch weit gefehlt, nichts davon ist die Spülung. Naturgeräusche und Bidet sind am Start, die Spülung jedoch ist am Spülkasten angebracht. (Da muss erstmal einer drauf kommen) Apropos Toiletten: In fast jedem Supermarkt, groß oder klein, gibt es hier Waschräume. Im Gegensatz zum Standard in Deutschland, muss man hier auch nicht dafür bezahlen.

Foodporn Japan

Miso-Suppe mit SesamEs hat sich herausgestellt, dass mir Miso-Suppe schon nach dem dritten Frühstück ziemlich aus dem Hals heraushängt, darum habe ich gestern früh Reis nach dieser Anleitung zubereitet und es hat wunderbar funktioniert und ich war bis zum Abend satt. Da ich Soba mit Avocado und Wakamemorgens und abends selber koche, habe ich schon ein paar Bilder anzubieten. Ich habe mich mittlerweile an die Preise für das Gemüse gewöhnt (alsonajanaja, sagen wir ehrlicher: ich habe aufgegeben) und koche jetzt ein wenig anders als sonst.

Reis mit GemüsepfanneDas Problem lässt sich ganz gut am Beispiel Bento-Box illustrieren. Die japanische Standard-Bento-Box setzt sich (laut nekobento) aus vier Teilen Reis, drei Teilen Fleisch oder Fisch, zwei Teilen Gemüse und eventuell einem Teil Süßem zusammen. Mein Essen setzt sich Gurkensalat und Edamamefür gewöhnlich aus vier Teilen Gemüse, drei Teilen Eiweiß (Bohnen, Tofu,…=, zwei Teilen Getreide (Reis, Nudeln, Quinoa…) und eventuell einem Teil Süßem zusammen. In Anbetracht der Tatsache, dass sie hier eben mehr Reis als Obst anbauen, ergibt sich natürlich auch die entsprechende Preisverteilung. Bei Fleisch und Fisch bin ich mir unsicher, weil ich die Vergleichspreise zu Hause nicht im Kopf habe. Jedenfalls vermute ich, dass mein Reiskonsum in den nächsten Wochen um ca. 150% steigen wird.

Shibuya Shibuya

IMG_3919.JPGAuf der Suche nach günstigem Gemüse bin ich über den Farmer’s Market und den Earth Day Market in Shibuya gelaufen. Auf ersterem gab es ein großes Kaffee-Festival, auf zweiterem eine Frau mit Ziege in Kinderwagen. Außerdem habe ich eine Dame mit Äffchen an der Leine und einen Herren mit fettem Windel-Kaninchen auf dem Arm gesehen. Günstigeres Gemüse habe ich allerdings vergeblich gesucht. Märkte scheinen in Japan kein traditioneller Bestandteil der Kultur zu sein – die Tokyoter Viertel sind nicht wie bei uns um Marktplätze, sondern um ihre Bahnhöfe herum zentriert. Das hat allerdings den Vorteil, dass man dorthin immer wieder gut zurückfindet.

IMG_3940.JPGNachdem ich erfolgreich ein wunderbares Geschäft, in dem man Bento-Boxen (und alles andere) kaufen kann, gefunden hatte („Loft“ in Shibuya), und der Teil meines Herzens, den ich an den Kapitalismus verloren habe, tief-rot aufgeleuchtet hat, bin ich relativ ziellos durch Shibuya geschlendert und habe – wie immer – natürlich viel mehr gesehen, als man sehen würde, wenn man alles zusammenplanen würde. Ich habe ein Mini-Gespräch mit einem echten Japaner geführt und bin über ein Festival-Gelände geschlendert, wo gerade „Incredible India“ zu Gast war. (Da geht man nach Japan um Kultur zu gucken, und dann verkleiden sich die Japanerinnen als InIMG_3923.JPGder und wollen einem Dhosa and Samosa verkaufen. Das war vielleicht was.) Ein anderer Japaner hat mich ganz unangenehm angewuselt und als ich ihn abwuseln wollte hat er mich einfach umarmt und auf die Wange geküsst und anstatt dass ich ihm eine runtergehauen hab, hat mein positiver Rassismus eingesetzt und ich dachte, ohgott, ich kann doch unmöglich diesen kleinen dünnen Menschen ohrfeigen, der bestimmt umfällt wenn ich ihn wegstoße, und hinterher habe ich mich furchtbar geärgert, dass ich’s nicht einfach doch getan hab.

IMG_3902.JPGDie meisten Frauen hier sind unglaublich schlank. Das Durchschnittskostüm scheint – wenn man nicht gerade in Harajuku ist – Bluse und etwa knielanger Rock zu sein, unter 16 dazu gerne Kniestrümpfe. Außerdem sind breit geschnittene Dreiviertel-Hosen hier gerade sehr in, die an den Frauen hier auch toll aussehen. Sehr beliebt scheint ein Laden namens ユニクロ (sprich: Uniqlo) zu sein, der sehr zurückhaltende Mode führt. Das meiste einfarbig, relativ hoch geschlossen und dezent, aber elegant. Dagegen ist mein Kleiderschrank bunt und irgendwie aufdringlich. Preislich liegt ユニクロ so im Großraum Zara/Mango/Esprit, würde ich sagen. Wenn es mal Geld übrig hat, werde ich mir vielleicht auch mal etwas von diesem, sich „Unique“ nennenden, aber doch ziemlich uniformierenden Kram zulegen.

Wovon es hier eindeutig zu wenig hat:
+ öffentliche Parkbanke
+ öffentliche Mülleimer
+ Second-Hand-Läden

 

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