Anstatt Neues zu schreiben habe ich alles Alte genommen. Weil meine Sehnen mir das übel nehmen, muss ich wieder schreiben ohne Akademie und Ehrgeiz. Darum schreibe ich jetzt. Und beginne numerisch + über den Tag. Es gab heute: 1. Einen Vortrag über Bildungsgerechtigkeit in der Universität. 2. Doch keinen Kaffee. 3. Einen Vortrag über Akademie in der Türkei. 4. Kaffee. 5. Ein Seminar von einem großen Mann, der aber das selten als Kompliment meint. 6. Ein Käsebrot. 7. Eine Lesung die die schönste war seit lang. Damit war vielleicht der Tag noch nicht vorbei, aber das Schönste war es und darum soll es als Abschluss stehen.

Paradoxien: Die Bildungspioniere, die die Wissenschaftlerin mit Ihrem Vortrag bespricht, sitzen in der Reihe hinter mir. Sie haben dunkle Augen und eine trägt ein Tuch auf dem Kopf. Nach dem Vortrag verlassen sie den leidlich (un)gefüllten Saal. Ich habe nichts verstanden, sagen sie. Das war alles zu sehr mit Fachwörtern zu. Die Wissenschaftlerin die das Binnen-i mitspricht, was ich schätze, spricht an den Ohren ihrer Pioniere vorbei. Kann ihr das gleich sein?

Ich denke für mich, beinahe mit Angst: Die Sprache, die ich mir so mühevoll angeeignet habe, die will ich nicht mehr loslassen. Ich halte sie fest, das Generationenprojekt, ganz fest, auch jedes Wort, das die in der letzten Reihe nicht verstehen. Nicht weil sie zu weit weg sind. Ich habe an diesem meinem Kompendium gearbeitet, sanft Wörter und -stücke in das aus  Herbarium sortiert, beschriftet, vor gerastertem Hintergrund fotografiert und zurückgelegt. Ein eigener Kanon ist vielleicht wie eine Privatsprache, aber ich habe darauf geachtet, zwischen Idiosynkrasie und Allzu-verständlichkeit zumindest einehandbreitfrei zu lassen. Warum wollt ihr mir das wegnehmen? Ich habe fast nie für Geld gearbeitet, aber immer für neue Wörter. Ihr seht, ich habe meine Wörter mir redlich verdient. Niemand hat sie mir geschenkt, und doch gebe ich sie ab an Andere. Zur Ausleihe in Paketen, die ich seit neustem nicht mehr Kon- sondern Kotext zu nennen weiß. (Obwohl das Wort etwas unangenehm riecht) Vielleicht gibt meine Bibliothek nicht an jeden einen BenutzerInnenausweis, das kann schon sein. Ich habe Bibliotheken immer schon lieber allein für mich gehabt.

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